Zwischen den Nationalkongressen stellt der Gewerkschaftsrat das höchste Gremium von Verdi dar. Der Rat setzt sich aus Vertretern der Bundesländer, der Abteilungen und der Gruppen von Frauen, Jugendlichen und Senioren zusammen. [26] Der Gewerkschaftsrat überwacht die Einhaltung der Verdi-Satzung, genehmigt den Jahreshaushalt und den Jahresabschluss der Gewerkschaft und überwacht den Landesvorstand. Im selben Monat schloss Verdi seinen ersten Tarifvertrag mit der Deutschen Lufthansa ab. [24] Kurze Zeit später wurde Verdi offiziell in den DGB aufgenommen. Seit der Gründung von Verdi steht die komplexe Organisationsstruktur immer wieder in der Kritik: So warnte der Tagesspiegel bereits 2001 die Leser vor drohenden “Verlusten und Ineffizienzen durch Reibung”. Auch die Sonntagszeitung “Welt am Sonntag” berichtete über “Reibungen und Haushaltsstreitigkeiten” innerhalb der Gewerkschaft. [76] Die Tageszeitung berichtete, das Matrixmodell von Verdi sei “so kompliziert”, dass selbst hauptamtliche Verdi-Beschäftigte es “schwer hatten”, es zu erklären. [77] Auch das Wochenmagazin Stern berichtete über Verdi, wonach seine Abteilungen, Landesverbände und Bezirke “mehr gegeneinander als miteinander gearbeitet” hätten. [78] Neben diesen Medienberichten erntete Verdis Organisationsstruktur auch immer wieder Kritik aus den eigenen Reihen, so dass eine Reaktion auf diese Kritik in die Initiative “Perspektive 2015” einfließt. Verdis höchstes Gremium ist der Bundeskongress, der alle vier Jahre zusammentritt, um die Grundprinzipien der Gewerkschaftspolitik festzulegen und das Handeln des Landesvorstands und des Gewerkschaftsrates zu wählen und förmlich zu genehmigen. [26] Die Gewerkschaft selbst ist in verschiedene Ebenen, Spaltungen und Gruppen von Individuen unterteilt.

Die Abteilungen und Gruppen von Einzelpersonen haben ihre eigenen Organe und Ausschüsse auf lokaler, Bezirks-, Landes- und landesebener Ebene. [26] Dieses Matrixsystem war bereits bei der Gründung von Verdi eine umstrittene Entscheidung, und die Probleme in der Geschäftsführung der Gewerkschaft wurden auch nach ihrer Gründung weiter in den Vordergrund gerückt. [27] [28] Das Matrixsystem soll nicht nur die Organisation Verdi als Ganzes vertreten, sondern auch die Interessen der einzelnen Berufe ihrer Mitglieder. [29] Die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in allen Organisationseinheiten ist in der Verdi-Satzung verankert und seit ihrer Gründung ein zentrales Thema der Gewerkschaft. [26] [30] Neben den Abteilungen sieht die Verdi-Satzung auch die Einrichtung sogenannter Personengruppen auf Bezirks-, Landes- und Landesebene vor. Verdi hat derzeit insgesamt acht Personengruppen: Die kleinsten Regionaleinheiten von Verdi sind die Ortsteile, die sich bilden können, wenn es mehrere Abteilungen auf regionaler Ebene gibt. Diese Ortsteile sollen die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern unterstützen und vereinfachen. [26] Die nächste Stufe auf lokaler Ebene sind die bundesweiten Unionsbezirke, die wiederum den Bundesländern untergeordnet sind. Diese Bundesländer entscheiden einvernehmlich über die regionalen Strukturen und Dimensionen der Bezirke[26], während die Bundesländerbezirke selbst vom Gewerkschaftsrat eingerichtet werden. Verdi hat derzeit zehn Bundesländer: Die Tarifpolitik von Verdi hat vor allem durch Arbeitskämpfe im öffentlichen Dienst breite mediale Aufmerksamkeit erregt. 2006 haben die Gewerkschaftsmitglieder einen neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Bundesländer angenommen, nachdem sie zuvor drei Monate lang gestreikt hatten.

[55] Der Marburger Bund lehnte das damalige Verhandlungsergebnis ab und führte die Medien zu der Meldung, er begebe sich “auf Kollisionskurs” mit Verdi. [57] Die Tarifgemeinschaft der beiden Gewerkschaften war bereits im Vorjahr aufgelöst worden. [58] 2007 starteten Verdi und der Deutsche Beamtenbund (DBB) eine drei Millionen Euro teure Werbekampagne unter dem Motto “Genug gespart”. [59] Ziel der Kampagne war es, die Aufmerksamkeit stärker auf die Arbeit des öffentlichen Dienstes im Vorfeld neuer Tarifverhandlungen zu lenken. [60] Nach einer Warnstreikwelle und mehreren Verhandlungsrunden forderten die Parteien im März 2008 eine Schlichtung. [61] [62] Obwohl dies misslang, einigte sich Verdi schließlich mit Bund, Ländern und Kommunen auf einen neuen Tarifvertrag. [63] [64] Die Gewerkschaft erzielte eine Lohnerhöhung von acht Prozent,[65] was einige Beobachter als schwere Belastung für die öffentlichen Haushalte bezeichneten. [66] Verdi zog insgesamt 50.000 neue Mitglieder